Gehört es dazu, erfolglose Produkte zu entwickeln?

Produkte können floppen, Projekte im Sand verlaufen, Ideen nicht umgesetzt werden, das ist Alltag für jeden Produkt- oder Projektmanager, der normale Wahnsinn im Leben eines Unternehmers. Und wenn das so ist, lautet ein Credo des unternehmerischen Denkens, dann müssen wir in etwas anderes investieren. Es ist ja bekannt, dass sich nur eine von zehn Ideen am Markt etablieren kann. Der Rest ist nun mal zum Scheitern verurteilt. Und dann macht es natürlich Sinn, sich möglichst schnell von dem unretablen Produkt zu lösen und sich anderen, potentiell profitablen Dingen zuzuwenden.

Aber mal im Vertrauen: Ist dieses Denken wirklich der richtige Weg? Ist es richtig, schon in einem frühen Stadium die Reißleine zu ziehen? Wird man der „gescheiterten“ Idee gerecht? Ist sie wirklich nicht markttauglich? Und was ist mit den Menschen, den Ideengebern, Entwickler, Vorantreibern? Gehört das tatsächlich zum Profil eines Produktentwicklers, Ingenieurs, Projektmanagers, solche Niederlagen wegzustecken?

Beispiel Jobsuche

Vielleicht kommt Ihnen folgendes Szenario bekannt vor: Sie haben Ihren Abschluss gemacht und suchen nun einen Job. Sie nehmen sich vor, innerhalb von drei Monaten einen Vertrag zu unterschreiben.  Motiviert gehen Sie in die Bewerbungsphase. Sie erstellen Ihre Bewerbungsunterlagen, recherchieren nach geeigneten Stellenangeboten und bewerben sich. Sie führen Interviews und kommen manchmal in die nächste Runde, manchmal nicht. Drei Monate vergehen und ein Vertrag ist nicht in Sicht. Sie geben sich einen weiteren Monat, dann nochmal sechs Wochen. Dennoch tun Sie sich immer noch schwer, einen Job zu finden. Was tun? Geben Sie auf und beantragen Hartz IV? Wandern Sie aus? Bitten Sie die Eltern um Asyl und halten sich mit Aushilfsjobs über Wasser? Wahrscheinlicher ist doch folgendes: Sie hinterfragen ihre Bewerbungsunterlagen kritisch. Sie überprüfen, ob sich Ihr Profil mit den gewünschten Jobangeboten deckt. Sie analysieren Ihr Verhalten bei den Interviews und Sie holen sich wahrscheinlich sogar Unterstützung von Freunden, Familie oder Beratern. Mit den gewonnenen Erkenntnissen überarbeiten Sie Ihre Unterlagen und Ihre Herangehensweisen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich nun erfolgreich im Arbeitsmarkt platzieren können, steigt an.

Die Frage nach dem WARUM

Das Jobsuche-Beispiel zeigt: Im persönlichen Umfeld gibt man nicht so schnell auf. Man hinterfragt, versucht zu verstehen und passt sich an.  Schon als Kind ist das Warum wohl eines der wichtigsten Worte auf dem Weg zum Lernen.  Mit diesem Wort erkunden Kinder die Welt, begreifen Zusammenhänge, entwickeln sich weiter.

Doch sobald man sich im geschäftlichen Umfeld bewegt, existiert dieses Wort oft nicht mehr. Zahlen werden analysiert, Prozesse optimiert, aber was dahinter steckt – Beweggründe, Hindernisse, Missverständnisse – wird nicht aufgeklärt und beseitigt. Statt dessen wird rein betriebswirtschaftlich gerechnet, kurzfristig entschieden, Fehler oder Verbesserungsmöglichkeiten werden unter den Teppich gekehrt, Investitionen abgeschrieben.

Einfach mal ausprobieren

Wenn Sie das nächste Mal in die Situation kommen, aus betriebswirtschaftlichen Gründen ein Projekt zu beerdigen, benutzen Sie diese eine, kleine Frage: Warum?

Probieren Sie es mal aus. Seien Sie „Kind“ und fragen sich bei einem Problem, einer Herausforderung: Warum? Und nach einer ersten Erklärung nochmal Warum? Und dann gleich nochmal Warum? Und ein viertes und fünftes Mal.

Und dann nehmen Sie diese Erkenntnisse und wenden Sie sie an.  Sie werden sehen, einige Warums später sehen Sie Stellschrauben und Ansätze, ein vermeintlich erfolgloses Ansinnen mit veränderten Vorsätzen doch noch zum Erfolg zu bringen.

 

Probieren Sie’s aus!