In vielen Branchen haben sich durch die COVID-19-Krise die Arbeitsweisen auf den Kopf gestellt. Homeoffice statt Großraumbüro, Couch statt ergonomischer Bürostuhl,  gemütliches Familienfrühstück statt täglicher Pendlerstau.

Auch wir Coaches und Trainer sind stark betroffen: Wie kann man ein Training, einen Workshop durchführen, ohne sich mit anderen Teilnehmern in einem passenden Raum zu treffen? Hat mein Business überhaupt noch eine Zukunft?

Das eine Lager bevorzugt weiterhin Präsenzveranstaltungen, in denen man in direktem Kontakt mit den Teilnehmern auch feine Schwingungen wahrnehmen und gezielter auf bestimmte Befindlichkeiten reagieren kann. Andere wiederum haben die Online-Trainings für sich entdeckt, wollen das Arbeiten mit Zoom und anderen Tools nicht mehr missen. Dritte sind sich unsicher und wissen nicht, wo die Reise hingehen soll und wird.

Eine neue Zukunft muss her

Noch Mitte März 2020 hatte ich einen wunderbaren Workshoptag mit fünf Kollegen und über 80 Teilnehmern in Berlin. Erfüllt von den überwältigenden Ergebnissen kehrte ich zurück nach München und schon einen Tag später kamen alle Kontakte zum Erliegen. Und damit auch die Hoffnung, diese Art von Workshops schon in naher Zukunft wieder durchzuführen.

Was tun? Wie sieht meine berufliche Zukunft aus? Ich musste reagieren, mich ein Stück weit erneuern, neue Wege einschlagen. Erste private Zoom-Sessions folgten und ich erfuhr, wie wirkungsvoll und energiereich solche Meetings auch im virtuellen Raum sein können. Die Funktion der Break-Out-Rooms brachte mich auf neue Ideen. Ich lernte Tools wie Mural oder Miro kennen und plötzlich eröffnete sich eine neue Welt von Möglichkeiten.

Neue Chancen 

Es dauerte nicht lange, da bekam ich die Chance, als Facilitator eine Reihe von Coachings und Workshops mitzugestalten. Gemeinsam mit einem Kollegen war ich Remote Innovation Coach bei einem digitalen Ein-Tages-Design-Thinking-Workshop, als Remote Facilitator begleitete ich mehrere Tagesseminare zur Ausbildung als Systemischer Coach und ich war Host und Moderator mehrerer Zoom-Meetings mit bis zu 60 Teilnehmern.

Anfangs war ich mehr als skeptisch, gerade was das Engagement der Teilnehmer betraf. Wie steht es um die Aufmerksamkeit der Teilnehmer? Wie viele Pausen müssen sein? Sind längere Online-Workshops vielleicht einer nachhaltigen Wissensvermittlung hinderlich? Welche Voraussetzungen und Vorbereitungen sind notwendig? Es gab viel zu lernen und zu erfahren, doch schon jetzt kann ich sagen: Das wird die Zukunft sein. Zumindest für mich. Deshalb hier meine drei Erkenntnisse für alle Coaches und Trainer.

Welche Schlüsse ziehe ich daraus?

Mein erstes Fazit: Es funktioniert. Und zwar weitaus besser als gedacht und in einigen Aspekten sogar intensiver, effektiver und fokussierter als im realen Leben. Natürlich hängt es von den eingesetzten Tools ab (hier ist nicht zwangsläufig weniger mehr, aber vieles geht mit wenigen, aber extrem hilfreichen Anwendungen).

Meine zweite Erkenntnis lautet: Selbst Teilnehmer mit starken Vorbehalten können schnell und voll mitgenommen werden, es kommt darauf an, alle geduldig an Bord zu holen, dann schmelzen die Ängste wie das erste Eis nach dem Lockdown.

Und Aha-Ausruf Nummer drei: Zu zweit geht es besser. Das Traumpaar im digitalen Raum heißt Coach/Trainer und Remote Facilitator. Während der eine vermittelt und coacht, sorgt der andere für den reibungslosen Ablauf und die nachhaltige Nutzung der eingesetzten Tools. So kann sich jeder um seinen Schwerpunkt kümmern und die Teilnehmer können sich auf ihren Input konzentrieren. Am Besten wechseln sich Trainer und Facilitator ab, das gibt jedem Workshop das nötige Salz.

Im Großen und Ganzen lässt sich sagen: Die neuen Rahmenbedingungen eröffnen neue Möglichkeiten. Wo vor kurzem noch die Schockstarre war, stehen nun neue Möglichkeiten offen. Sie eröffnen ganz neue Welten, sowohl für Coaches und Trainer als auch für die Teilnehmer.

Was sind Ihre Erfahrungen? Schildern Sie Ihre Erlebnisse in Zeiten von Corona als Coach und Trainer. Ich bin gespannt auf Ihre Ansichten und freue mich auf den Austausch.

Ihr Armin Schobloch

P.S.: Was man beachten sollte, welche Hürden im Weg stehen können und welche Tools helfen, werde ich in den nächsten Tagen erläutern.