Als Coach geht es jetzt um die Existenz. Keine Besprechungen und keine Gruppenmeetings in geschlossenen Räumen – das bedeutet keine Workshops und Trainings. Und damit keine Einnahmen. Eine beängstigende, existenzbedrohende Situation für viele Coaches und Trainer. Oder?

Neue Wege sind gefragt. Ein Weg, der für mich sehr gangbar und auf lange Sicht erfolgreich zu sein scheint, sind Remote Workshops. In Gesprächen mit Kollegen höre ich immer wieder Sätze wie: „Ich möchte die Energie im Raum spüren können …“ oder „…besonders wichtig ist mir die Körpersprache der Teilnehmer …“. Das sind je nach Coaching wichtige Aspekte, die im Videocoaching schwer abzubilden sind (Allerdings nicht unmöglich. Es gibt Ansätze und Methoden, diesem Bedürfnis Rechnung zu tragen.).

Andere Aspekte sind die Vorbehalt gegenüber der Technik: Kann ich diese beherrschen? Verliere ich die Teilnehmer im Verlauf des Workshops? Auch müssen neue Wege gegangen werden, die bewährte Art des Marketing funktioniert eventuell nicht, die Angebote stimmen nicht mehr, meine Vorbereitung muss ich anders gestalten. Gegen diese Unsicherheiten kann man angehen.

Die Technik verschwindet im Hintergrund

Natürlich: Die technischen Möglichkeiten können Trainer und Teilnehmer auch ablenken. Deshalb heißt es in Präsenztrainings: Handys zur Seite und während der Pausen möglichst keinen Gang ins Büro. Doch Hand aufs Herz, diese Regeln können auch im Digitalen gelten. In einer Videokonferenz sind dann auch nur die notwendigen Programme offen: Videosoftware und Browser für die digitale Zusammenarbeit.

Für Trainer und Teilnehmer gilt gleichermaßen: Wenn man sich auf wenige, aber funktional umfassende Tools beschränkt und den Umgang damit beherrscht, verschwindet die Angst vor der Technik von ganz alleine – und damit quasi auch die Technik selbst.

Zwei Tipps zum Umgang mit der Technik: Die meisten Anbieter stellen umfassende How-to-Videos bereit, haben sehr hilfsbereite Kundenbetreuer für Fragen und veröffentlichen immer wieder praktische Einsichten, die einem die Einarbeitung und Beherrschung der digitalen Werkzeuge leichter machen. Mit etwas Übung fühlt man sich sehr sicher. Sehr hilfreich ist auch ein kleiner kollegialer Austausch, in dem man solche Tools mal ausprobiert.

Geringere Kosten überzeugen Kunden

Bislang zählten für unsere Kunden vor allem Kompetenz und Kosten. Daran ändert sich nichts. Für uns Anbieter ist das ein Vorteil, den es zu nutzen gilt. Digitale Angebote sind deutlich kostengünstiger, auch wenn die Honorare für den Trainer gleich bleiben. Denn es fallen weg: Raumkosten, Catering, Reisekosten für Trainer und Teilnehmer, Reisekosten für die Vorbereitungsgespräche.

Ja, ein paar Kosten kommen hinzu. Eventuell werden digitale Softwaretools benötigt, für die Lizenzen anfallen. Und es ist meiner Erfahrung nach auf jeden Fall ratsam, einen zusätzlichen Remote Facilitator einzusetzen. Dieser unterstützt bei der Nutzung technologischer Möglichkeiten wir Break-Out-Rooms, Einsatz von Collaborations-Software, Beheben von technischen Problemen etc. Nur mit einem solchen Unterstützer ist gewährleistet, dass sich Trainer und Teilnehmer auf ihre Aufgaben fokussieren können und nicht gestört werden, wenn bei einzelnen Teilnehmern technische Hürden oder organisatorische Fragen auftauchen.

Gute Argumente im Verkaufsgespräch: Schnellere und nachhaltigere Umsetzung

Und ja, Geschwindigkeit ist im digitalen Raum besonders wichtig. Das ist gut so, denn digitale Workshops können schneller gestartet werden: Die zeitaufwändige Raum- und Terminabsprache ist meist überflüssig. Haben Sie ihre Vorlagen erstellt, können Sie gleich loslegen. Auch ist die Online–Variante in kleinen Häppchen möglich und sinnvoll, dadurch sind Projekte langfristiger durchführbar.

Zu guter Letzt haben Tools keinen Feierabend, deshalb kann man die Arbeit an den Projekten im Anschluss an einen Workshop in synchrone und asynchrone Aufgaben unterteilen.

Was heißt das? Teilnehmer arbeiten synchron, das heißt gleichzeitig, an Themen, wenn der direkte Austausch oder das gemeinsame Verständnis im Vordergrund stehen. Jeder für sich kann anschließend seine Aufgaben asynchron, also unabhängig von den anderen, erledigen, wenn es in seinen Zeitplan, seine Konzentrationsfähigkeit und zu seinen Eingebungen passt.

So verändert sich die Arbeit weg von zwei intensiven Workshop-Tagen hin zu einer längerfristigen Beschäftigung mit einem Thema, besser verknüpft und integriert in den Alltag. Dadurch haben Zweifler und Zögerer mehr Zeit, sich einzubringen und ihre Vorbehalte abzubauen. Mehr Menschen werden mitgenommen und die Ziele wirksamer implementiert.

Für Ihre Kunden sind alle diese Punkte ein echter Vorteil. Mich überzeugt das. Sehen Sie es anders? Ich freue mich auf Anregungen und Anmerkungen.

 

Ihr Armin Schobloch

P.S.: Was sind die organisatorischen Unterschiede zwischen digitalen und analogen Workshops? Was hat es mit den „Räumen“ auf sich? Wie bereitet man sich vor? Darauf gehe ich in meinem nächsten Artikel ein. Melden Sie sich für meinen Newsletter an, wenn Sie Interesse haben: www.ars-ideen.de.