„Das funktioniert nicht“, ist oft der erste Satz, den ich höre, wenn sich ein Kollege gezwungen sieht, seine Kurse ins Netz zu verlegen. Warum? Die typischen Antworten: „Mir fehlt der persönliche Kontakt.“ „Am Bildschirm spüre ich nicht, welche Stimmung im Workshop herrscht.“ „Die Teilnehmer können sich nicht lange konzentrieren.“ „Meine Themen funktionieren nur im Präsenztraining.“

Das funktioniert sowieso nicht?

Mir fällt dazu immer die Geschichte eines Kollegen ein, der vor seinem ersten Digitaltraining viele schlaflose Nächte verbrachte. Im Leben vor Corona war er ein gut gebuchter, kompetenter, witziger und sympathischer Trainer. Große Technikkompetenz gehört nicht zu seinen vielen Stärken, weshalb ihm Online-Trainings völlig fremd waren. Wir verabredeten, sein erstes digitales Training gemeinsam auf die Beine zu stellen.

Keine Abstriche bei den Inhalten

Schon bei der Ablaufplanung merkten wir, dass die Zusammenarbeit fruchtbar war. Beide gewannen wir neue Impulse für unsere Arbeit. Die Befürchtung, dass Inhalte gestrichen oder verändert werden müssten, zerschlug sich schnell. Alles, was der Kollege üblicher Weise im Präsenztraining vermittelt, konnten wir in die digitale Trainingswelt übersetzen. Es wurden kleinere Einheiten, wir einigten uns auf geeignete Tools und auf noch mehr interaktive Arbeit.

Wie ein Fisch im Wasser

Am Tag des Workshops gehörte mir die erste Einheit für ein Onboarding, in der ich die Teilnehmer spielerisch mit den notwendigen Tools vertraut machte. Dann übernahm der Kollege, während ich mich um die Technik kümmerte. War beim Haupt-Coach anfangs noch eine Anspannung zu erahnen, schwand sie nach wenigen Minuten. Man sah: Er war in seinem Element, ging völlig in seinem Training auf und spielte seine Stärken souverän aus – auch online.

Konzentriert, engagiert, fokussiert

Die Teilnehmer? Arbeiteten konzentriert mit. Gaben digital Post-its weiter. Tauschten sich in Kleingruppen aus. Erstellten im Plenum eine gemeinsame Arbeit. Blieben die ganze Zeit fokussiert. Ich sorgte im Hintergrund dafür, dass der Zeitplan eingehalten wurde und schickte die Teilnehmer in die verschiedenen Breakout-Rooms. Ich führte Zwischen-Evaluationen durch und half, wenn irgendwo die Technik hakte.

Gut so!

Beim abschließenden Feedback-Gespräch war die vorherrschende Stimmung: Begeisterung. Aber auch Erstaunen, dass alles so reibungslos geklappt hatte, und Erleichterung, weil Trainer und Teilnehmer erfolgreich Neuland betreten hatten.

Fortsetzung folgt …

Mein Kollege sagte mir hinterher – beim gemeinsamen Feierabendbier vor dem Bildschirm –, dass die Teilnehmer sogar konzentrierter waren als beim Vor-Ort-Training. Sehr positiv fand er auch, dass er sich aufs Training konzentrieren konnte und ich ihm alle organisatorischen Notwendigkeiten abgenommen hatte. Sein Fazit: „Hat Spaß gemacht. So machen wir das auch in Zukunft. Die schlaflosen Nächte waren gar nicht nötig.“

Mein Rat an Trainer: Bleiben Sie sich treu, konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken und suchen Sie sich einen Partner, der Technik und Organisatorisches übernimmt. Was sind Ihre Erfahrungen?