Brainstorming – vor langer Zeit erdacht und seitdem viel kritisiert

Kurz beleuchtet: Brainstorming ist eine Kreativitätstechnik, die Ende der 30er-Jahre von Alex Osborne, dem Gründer der berühmten Werbeagentur BBDO (früher BDO), entwickelt wurde. In einer Brainstorming-Session sollen die Teilnehmer spontan Ideen äußern, die sichtbar gemacht werden (meist auf Moderationskarten) und dadurch Anlass für weitere Ideen bieten, die ebenfalls sichtbar gemacht werden. Eigentlich ganz simpel.

Trotz oder vielleicht auch wegen dieser Einfachheit ist diese Methode wohl die meistgehasste, unbeliebteste Kreativitätstechnik. In vielen Ideenworkshops erntet man Augenrollen, Schulterzucken oder stille Ablehnung, wenn die Teilnehmer das altbekannte, doch vielfach missverstandene Brainstorming durchführen sollen.

Das Internet ist voll von Erklärungen, warum Brainstorming-Sessions unproduktiv, nervig, unnötig seien und auch, warum Brainstorming generell nicht funktioniere. Und beim Lesen diese Beiträge sticht einem immer wieder ins Auge, dass die vier Grundregeln, die Alex F. Osborne für diese Methode aufgestellt hat, anscheinend sehr oft nicht beachtet werden.

Die Hauptkritikpunkte lauten: 

1. Introvertierte Menschen haben keine Möglichkeit, sich einzubringen, da sie von extrovertierten Teilnehmern leicht überrollt werden.

2. Manche Teilnehmer trauen sich nicht, ihre Ideen zu äußern, aus Angst vor Kritik oder Zurückweisung.

3. Viele Ideen werden nicht weiterverfolgt, die Session wird als sinnlos und zeitverschwenderisch angesehen.

4. Brainstorming funktioniert nicht, Studien würden belegen, dass Ideen besser im stillen Kämmerlein produziert würden statt in der Gruppe.

5. Es fehlt ein wirklicher Prozess und damit auch die Nachhaltigkeit des Brainstormings.

Einfache Regeln zum erfolgreichen Brainstorming

Nach meiner Erfahrung funktioniert Brainstorming wunderbar, wenn man Alex F. Osbornes Grundregeln beherzigt.

Hier sind seine vier Regeln für ein erfolgreiches Brainstorming:

1. Kritik geht gar nicht – don´t criticize it!

Für Brainstorming gilt, was eigentlich für den gesamten Ideenfindungsprozess gilt: Bewertungen von Ideen im Grundstadium killen jeglichen Ideenfluss und sind die größten Kreativitätskiller. Besonders beliebt sind die Killerphrasen, die jede Idee sofort garantiert um die Ecke bringen. (Lesen Sie dazu meine Ideengedanken zu den Killerphrasen). Dazu gehört aber auch das Ausreden-Lassen, das Zuhören und die Gleichberechtigung innerhalb der Gruppe. Das heißt: Jede Idee ist gleichwertig und nicht abhängig vom Hierarchiegrad des Ideengebers.

2. So viele Ideen wie nur möglich – go for large quantities of ideas!

Hängen an der Wand nur fünf, zehn oder 15 Ideen und kommt danach nichts mehr, hat der Moderator wohl einiges versäumt. Normalerweise ergeben sich durch das Sichtbarmachen von Ideen zwangsläufig weitere Ideen und diese sollten auf jeden Fall auch dazugeschrieben werden.

3. Ideen beflügeln Ideen – build on each others ideas! 

Außerdem regen Ideen fast immer zu neuen Ideen an und dieser Effekt ist sehr wichtig, um auch über den Tellerrand zu denken. Ideen kommen selten aus dem Nichts und werden (sehr häufig auch unbewusst) durch schon bestehende Denkansätze angetriggert und gefördert. Zusammen mit dem letzten Grundsatz:

4. Verrückte und übertriebene Ideen fördern – encourage wild and exaggerated ideas!      

entstehen so komplett neue Denkanstöße und manchmal genau die Lösungen, die vorher durch Killerphrasen schon im Vorhinein nie und nimmer möglich gewesen wären.

Struktur und Planung ist wichtig

Zudem war für Alex F. Osborne schon damals klar, dass Brainstorming nur funktioniert, wenn man es strukturiert und geplant einsetzt. Das bedeutet, jedes Brainstorming muss gut vorbereitet sein. Besonders sollte allen Teilnehmern klar sein, welche Problemstellung mit dieser Methode bearbeitet wird, sie darf nicht zu eng sein und auch nicht zu weitschweifig, um fokussiert arbeiten zu können.

Ebenso wichtig: Alle Teilnehmer sollten schon zu Beginn wissen, was mit den Ideen im Nachklang passiert, wer und was weiterverfolgt wird und wo die Ideen „geparkt“ werden.

Halten Sie sich an diese Eckpunkte, kann das Brainstorming plötzlich zur Lieblingsmethode werden, weil es keine Vorkenntnisse braucht und dennoch überraschende und viele Ideen zu Tage fördert, mit denen niemand gerechnet hat.

Probieren Sie’s aus!

P.S.: Übrigens, es gibt sehr viele unterschiedliche Varianten des Brainstormings, z.B. das Anonyme Brainstorming, das Stille Brainstorming, Brainwalking oder sogar das Brainrace. Nutzen Sie eine dieser Ausprägungen und Ihr Team wird es Ihnen mit Spaß und vielen Ideen danken. Mehr dazu finden Sie hier: www.handbuch-innovation.de