Ich möchte Ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Vor mehr als 30 Jahren war ich in den USA und habe dort an dem Jugendbildungsprogramm Up With People teilgenommen. Mit über 120 jungen Erwachsenen aus 17 Nationen durfte ich ein Jahr lang in mehr als 90 Städten in Nordamerika und Ozeanien Gastfamilien unterschiedlichster Einstellungen und Einkommen erleben, habe überall an sozialen Projekten teilgenommen und fast immer auch an einer Musikshow für die Bewohner dieser Orte auf der Bühne teilgenommen.

Sie können sicher nachvollziehen dass dieses Jahr vollgestopft war mit besonderen Erlebnissen, mannigfachen Eindrücken und Erfahrungen, die noch heute ihre Auswirkungen auf mein Leben haben.

Ganz zu Beginn beim sogenannten „Staging“, als wir alle in wenigen Wochen nicht nur die Musikshow einstudierten, sondern auch auf die Reise vorbereitet wurden, gab es eines Morgens einen Vortrag eines älteren Herren, Dr. Morris Martin. Mit sehr eindringlichen und eindrücklichen Worten wies er uns Jungspunde darauf hin, doch möglichst alles, was uns irgendwie wichtig sei, aufzuschreiben und schriftlich festzuhalten. Ich habe es eine Weile lang geschafft, ein Tagebuch zu führen, doch mit einer Mischung aus Bequemlichkeit und der jugendlichen Überzeugung, sich doch alles merken zu können, wurde das Tagebuch immer seltener gefüllt und irgendwann ganz in den Koffer verbannt.

Warum erzähle ich das? Nun, wenn man sich mit der Generierung und dem Finden von Ideen beschäftigt, wird einem sehr deutlich bewusst, wie wichtig es ist, Ideen und Gedanken, die man selbst vielleicht als genial oder aber auch als abwegig oder unnötig ansieht, aufzuschreiben, denn plötzlich ist die Eingebung weg und oft genug unwiederbringlich zwischen den Synapsen verloren.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten ihr Wohnzimmer mal neu einrichten. Natürlich stellen Sie sich in das Zimmer und überlegen und schieben eventuell schon mal Möbel herum. Doch irgendwie passt es nicht. Sie messen aus, versuchen sich sogar an einer Einrichtungssoftware, befragen Freunde, Innenarchitekten und und und. Doch die perfekte Lösung fällt ihnen nicht ein. Aber irgendwann beim Spazierengehen im Wald kommt der Geistesblitz. Ein Möbelstück soll in ein anderes Zimmer, das Regal auf die gegenüberliegende Seite, ein Bild doch höher, egal. Vor ihrem geistigen Auge passt alles und sehr oft passt es dann auch in der Realität ohne die Maße im Kopf zu haben.

Die Erklärung dafür ist einfach: Während des Spaziergangs suchen Sie nicht verkrampft nach der Lösung sondern lassen die Gedanken schweifen. Das Gehirn teil sich selbst die Denkkraft ein. Es kann verschiedene Optionen frei und unzensiert durchdenken und plötzlich heisst es „Heureka“, dann passen die Puzzleteile zusammen. Doch Vorsicht: Wenn Sie sich jetzt diese Überlegungen nicht irgendwie festhalten, kann dieses fragile Gebilde schon bald wieder in den Synapsen verschwinden. Daher sollten Sie es aufschreiben, irgendwie, egal wo. Auf der Rückseite eines Taschentuchs, mit der Notizfunktion Ihres Smartphones, als Strichzeichnung im Waldboden oder als WhatsApp-Audionachricht an sich selbst. Ganz egal, Hauptsache, Sie halten diese Gedanken fest für die spätere Verwendung.

Denn: Eine Idee ist nur eine Idee, wenn Sie ausgesprochen oder aufgeschrieben wurde!

Und es bewahrheitet sich, was Mr. Martin mir schon vor über 30 Jahren mit auf den Weg gegeben hat: Schreibe alles auf, denn es kann irgendwann einmal von Bedeutung sein. Thank You, Mr. Martin!

Überlegen Sie selbst und „Write it down“

P.S.: Ich habe mir inzwischen angewöhnt, alles irgendwo aufzuschreiben, ob als digitale Notizen, auf Rückseiten von Notizblöcken oder als Email an mich selbst. Und ich ertappe mich regelmäßig dabei, wie ich diese Aufzeichnungen wieder konsultiere. Nur beim Joggen, wo man oft so gute Ideen hat, schaffe ich es noch nicht. Aber das kann ja noch kommen.