Meine Lieblingsmethoden – heute: 6 W

Neulich kam mein neunjähriger Sohn begeistert aus der Schule. Seine Klasse hatte gerade das Thema Feuer durchgearbeitet und er erzählte begeistert, dass er jetzt weiß, wie man sich im Fall eines Brandes verhalten soll.

Ich fragte also: „Und, wie verhält man sich?“ Mit diesem typischen „Kinder-Blick“ (Mensch, Papa, das weißt du nicht?) antwortete er stolz: „Man ruft die 112 an und sagt die sechs W-Fragen.“ „Welche sechs W-Fragen?“ „Also: Wer ruft an? Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte/Kranke gibt es? Welche Verletzungen/Erkrankungen? Und dann Warten!“„Wie, warten?“ „Man muss warten, ob der andere noch weitere Fragen hat und dann kann man auflegen!“

So weit, so gut. Zugegeben, ich wusste es nicht mehr und die sechste Frage ist wohl keine wirkliche Frage. Aber es hat mich an eine Innovations-Methode erinnert, die ebenso einfach wie effektiv ist: Die 6-W-Methode. Sie funktioniert quasi genau wie die 6-W-Fragen im Brandfall.

Sammeln Sie zunächst so viel Wissen wie möglich über ein Thema, eine Fragestellung, ein Problem, eine Aufgabe. Schreiben Sie dieses Wissen auf und machen Sie es gut sichtbar, z.B. mit Moderationskarten an Pinwänden.

Und nun stellen Sie die 6-W-Fragen:

  • Wer? 
  • Was?
  • Wann?
  • Wo?
  • Warum?
  • Wie?

Seien Sie dabei kreativ. „Wer?“ kann bedeuten: Wer wird das Produkt benutzen? Oder: Wer wird es produzieren? Oder: Wer wird es kaufen? Oder: Wer wird es verkaufen? Oder: Wer wird es programmieren? Oder … Oder … Oder…

Das Was kann eine Fragen danach sein, was der Kunde benutzten wird, was Sie schon darüber wissen, was schon versucht wurde usw.

Hauptsache, Sie stellen Fragen! Viele Fragen, die Antworten kommen von alleine!

Probieren Sie´s aus!

P.S.: Übrigens, diese und 554 weitere spannende Kreativitätstechniken finden Sie in dem Buch „Das große Handbuch Innovation“ (www.handbuch-innovation.de), an dessen Entstehung ich beteiligt sein durfte.

Weitere Lieblingsmethoden von mir sind:

Meine Lieblingsmethoden – heute: 5 Whys

Warum ist ein tolles Fragewort! Es gibt wohl keine Antwort, die eine weitere Warum-Frage nicht ermöglicht. Mit Warum kommt man zum Kern einer Sache und sogar darüber hinaus. Zusammenhänge werden klarer, je mehr man fragt. Jede Antwort wirft eine weitere Frage, die eine neue klärende Antwort bieten kann.

Kinder sind Großmeister des Warum. Sie sind wissbegierig und unermüdlich im Fragenstellen. Bekommen sie unbefriedigende Antworten, machen sie einfach weiter und fragen: Warum? So lernen sie und erweitern ihr Wissen, bis sie mit der Antwort zufrieden sind. Kinder machen intuitiv das, was wir Erwachsene mit scheinbarem Wissen abtun und zur Seite schieben: Sie gehen den Dingen auf den Grund. 

In der Ideenfindung ist das jedoch zentral, um umsetzbare, wirksame Lösungen zu finden. Im beruflichen Alltag tritt das Warum immer mehr in den Hintergrund, vorgefertigte Annahmen oder gemachte Erfahrung treten an den Platz der Neugier und des Wissenwollens (sehen Sie dazu auch meinen Blog-Beitrag „Warum verlernen wir, nach dem WARUM zu fragen?“).

Die 5-Why-Methode hilft uns, Problemen auf den Grund zu gehen, Annahmen zu überprüfen, Ideen tiefergehend zu betrachten. Die Methode ist einfach und erstaunlich effektiv.

Stellen Sie zu einer Problemstellung fünf Mal hintereinander die Frage „Warum?“ und beantworten sie diese Frage. Allein oder im Team, ganz egal, Hauptsache, Sie halten alle Fragen und deren Antworten fest. Die letzte Antwort sollte Ihnen entweder Einsicht in versteckte Hindernisse geben oder aber neue Impulse für die Ideenfindung.

Ein eindrückliches Beispiel hierzu bietet die Parkverwaltung der US-amerikanischen Hauptstadt Washington, die feststellen musste, dass die Steine des Lincoln Memorial langsam anfingen zu verrotten, weil sie lange Zeit exzessiv gewaschen worden waren, um den darauf sitzenden Vogelkot zu beseitigen. Die 5-Why-Methode hat schließlich eine einfache, kostensparende Lösung zur Erhaltung dieses fantastischen Denkmals gefunden.

Schauen Sie selbst! 

Ein Tipp! Sie müssen sich nicht auf fünf Fragen beschränken, fragen Sie ruhig öfter nach und sehen Sie, was passiert. Ein unterhaltsames Beispiel dazu finden Sie hier:

P.S.: Übrigens, diese und 554 weitere spannende Kreativitätstechniken finden Sie in dem Buch „Das große Handbuch Innovation“ (www.handbuch-innovation.de), an dessen Entstehung ich beteiligt sein durfte.

Weitere Lieblingsmethoden von mir sind:

Was würde Asterix tun? Warum Querdenken so viel Potential hat!

Haben Sie auch Helden aus Ihrer Kindheit? Sollten Sie demnächst mal in der allzu menschlichen Falle stecken, dass Sie dringend eine Lösung zu einem Problem benötigen und partout keine passende Idee parat haben – dann erinnern Sie sich doch einfach an Ihre Helden und lassen Sie sie die Arbeit für Sie tun – zumindest im übertragenen Sinne.

Einer meiner jugendlichen Vorbilder ist der schlaue Bewohner dieses unbesiegbaren Dorfs in Gallien, das den Römern seit fast 60 Jahren das Leben schwer macht. Zusammen mit seinen mutigen Gefährten Obelix und Idefix meistert Asterix seine stets skurrilen Abenteuer mit einer Mischung aus Kreativität, Intelligenz und einer gehörigen Portion Zaubertrank. 

Sie werden sich nun fragen: Wie soll das gehen? Das mit dem Asterix-die-Arbeit-tun-Lassen? Ganz einfach. Machen Sie sich zunächst Ihr Problem genau bewusst (was Sie eigentlich immer tun sollten, denn damit beginnt die Ideenfindung im Grunde). Sie denken vielleicht: „Ich weiß doch, was mein Problem ist!“ Manchmal stimmt es ja, aber oftmals merkt man erst bei der intensiveren Beschäftigung, dass man unbewusst oder sogar bewusst einen gewissen Teil des Problems ignoriert. So kam der Hersteller der Käsesnacks Cheetos auf die Idee, einen Lippenschutzstift  mit Cheetos-Geschmack auf den Markt zu bringen. Das Angebot floppte. Vielleicht hätte man vorher mal bei den Kunden fragen sollen, ob ein Lippenstift mit Käsegeschmack gewünscht wäre…

Am besten also schreiben Sie erst mal grob auf, was das Problem ausmacht, was es charakterisiert, welche Dinge zu bedenken sind. Sehr gut dazu eignet sich die 5-Why-Methode oder die 6-W-Methode

Anschließend wenden Sie sich Ihrem oder Ihren Helden zu: Stellen Sie sich die Frage: Was würde Asterix tun, um das Problem zu lösen? Wie würde er herangehen, was würde er als erstes tun? Würde er eine List anwenden und wenn ja, welche? Würde er seinen Freund Obelix fragen, seine Kraft einzusetzen? Würde er einen Schluck Zaubertrank verwenden und selbst „durch die Wand“ gehen?

Lassen Sie Ihren Ideen freien Lauf und schreiben Sie alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt, je verrückter desto besser.

Und jetzt kommt der Clou: „Übersetzen“ Sie nun die Taten, Hilfsmittel, Partner, Vorgehensweisen Ihres Helden in die reale Welt. Sie werden sehen, plötzlich tauchen ganz logische, realisierbare Lösungen auf! Probieren Sie es einfach aus!

Übrigens, Sie können auch jeden anderen beliebigen Helden nehmen, oder auch mehrere, dann bekommen Sie umso mehr Lösungsmöglichkeiten: Hier sind ein paar Heldenvorschläge für Sie: Wickie, E.T., Terminator, Kleopatra, Steve Jobs, Jeanne D`Arc, Mahatma Gandhi, Maggie Thatcher, Christopher Columbus, Madame Curie, Cäsar, Hermine Granger, Harry Potter, Donald Duck, Oma Duck u.v.a.

Probieren Sie’s aus!

Diese Methode wird übrigens auch „Die Augen des Experten“ genannt.

Übrigens, mehr zu dieser Methode finden Sie im „Großen Handbuch Innovation“, das sie hier erwerben können.

Weitere Lieblingsmethoden von mir sind:

Warum verlernen wir, nach dem WARUM zu fragen?

Gehört es dazu, erfolglose Produkte zu entwickeln?

Produkte können floppen, Projekte im Sand verlaufen, Ideen nicht umgesetzt werden, das ist Alltag für jeden Produkt- oder Projektmanager, der normale Wahnsinn im Leben eines Unternehmers. Und wenn das so ist, lautet ein Credo des unternehmerischen Denkens, dann müssen wir in etwas anderes investieren. Es ist ja bekannt, dass sich nur eine von zehn Ideen am Markt etablieren kann. Der Rest ist nun mal zum Scheitern verurteilt. Und dann macht es natürlich Sinn, sich möglichst schnell von dem unretablen Produkt zu lösen und sich anderen, potentiell profitablen Dingen zuzuwenden.

Aber mal im Vertrauen: Ist dieses Denken wirklich der richtige Weg? Ist es richtig, schon in einem frühen Stadium die Reißleine zu ziehen? Wird man der „gescheiterten“ Idee gerecht? Ist sie wirklich nicht markttauglich? Und was ist mit den Menschen, den Ideengebern, Entwickler, Vorantreibern? Gehört das tatsächlich zum Profil eines Produktentwicklers, Ingenieurs, Projektmanagers, solche Niederlagen wegzustecken?

Beispiel Jobsuche

Vielleicht kommt Ihnen folgendes Szenario bekannt vor: Sie haben Ihren Abschluss gemacht und suchen nun einen Job. Sie nehmen sich vor, innerhalb von drei Monaten einen Vertrag zu unterschreiben.  Motiviert gehen Sie in die Bewerbungsphase. Sie erstellen Ihre Bewerbungsunterlagen, recherchieren nach geeigneten Stellenangeboten und bewerben sich. Sie führen Interviews und kommen manchmal in die nächste Runde, manchmal nicht. Drei Monate vergehen und ein Vertrag ist nicht in Sicht. Sie geben sich einen weiteren Monat, dann nochmal sechs Wochen. Dennoch tun Sie sich immer noch schwer, einen Job zu finden. Was tun? Geben Sie auf und beantragen Hartz IV? Wandern Sie aus? Bitten Sie die Eltern um Asyl und halten sich mit Aushilfsjobs über Wasser? Wahrscheinlicher ist doch folgendes: Sie hinterfragen ihre Bewerbungsunterlagen kritisch. Sie überprüfen, ob sich Ihr Profil mit den gewünschten Jobangeboten deckt. Sie analysieren Ihr Verhalten bei den Interviews und Sie holen sich wahrscheinlich sogar Unterstützung von Freunden, Familie oder Beratern. Mit den gewonnenen Erkenntnissen überarbeiten Sie Ihre Unterlagen und Ihre Herangehensweisen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich nun erfolgreich im Arbeitsmarkt platzieren können, steigt an.

Die Frage nach dem WARUM

Das Jobsuche-Beispiel zeigt: Im persönlichen Umfeld gibt man nicht so schnell auf. Man hinterfragt, versucht zu verstehen und passt sich an.  Schon als Kind ist das Warum wohl eines der wichtigsten Worte auf dem Weg zum Lernen.  Mit diesem Wort erkunden Kinder die Welt, begreifen Zusammenhänge, entwickeln sich weiter.

Doch sobald man sich im geschäftlichen Umfeld bewegt, existiert dieses Wort oft nicht mehr. Zahlen werden analysiert, Prozesse optimiert, aber was dahinter steckt – Beweggründe, Hindernisse, Missverständnisse – wird nicht aufgeklärt und beseitigt. Statt dessen wird rein betriebswirtschaftlich gerechnet, kurzfristig entschieden, Fehler oder Verbesserungsmöglichkeiten werden unter den Teppich gekehrt, Investitionen abgeschrieben.

Einfach mal ausprobieren

Wenn Sie das nächste Mal in die Situation kommen, aus betriebswirtschaftlichen Gründen ein Projekt zu beerdigen, benutzen Sie diese eine, kleine Frage: Warum?

Probieren Sie es mal aus. Seien Sie „Kind“ und fragen sich bei einem Problem, einer Herausforderung: Warum? Und nach einer ersten Erklärung nochmal Warum? Und dann gleich nochmal Warum? Und ein viertes und fünftes Mal.

Und dann nehmen Sie diese Erkenntnisse und wenden Sie sie an.  Sie werden sehen, einige Warums später sehen Sie Stellschrauben und Ansätze, ein vermeintlich erfolgloses Ansinnen mit veränderten Vorsätzen doch noch zum Erfolg zu bringen.

Probieren Sie’s aus!

Meine Lieblingsmethoden – Heute: Letter to Grandma

Handschriftliche Briefe schreiben ist eine besondere Tätigkeit. Man muss sich vorab Gedanken machen, was man dem Empfänger mitteilen will. Man kann nicht einfach drauflosschreiben, denn das Löschen oder Austauschen von Satzteilen geht nicht, da man sonst die schöne Form verunstalten oder zerstören würde.

Genau dieses Prinzip nutzt die Kreativitätsmethode „Letter to Grandma“. Wenn Sie Lösungen finden wollen, dann sollten Sie sich zu Beginn zunächst nochmal genau mit dem Problem oder der Aufgabenstellung auseinandersetzen. Machen Sie sich kurz klar, um was es eigentlich geht, was die Grundlage für Ihre Ideenfindung ist.

Dazu erhält jeder im Team (es funktioniert im Übrigen auch bei Einzelpersonen) die Aufgabe, seiner Großmutter in einem Brief das Produkt , die Dienstleistung, das Angebot so zu erklären, dass diese es versteht. Der Brief wird handschriftlich verfasst und kann anschliessend anonym vom Moderator der auch offen von den Teilnehmern, dann aber auf freiwilliger Basis, vorgelesen werden. Diese einfache Methode schärft das Verständnis für die spezielle Problemstellung und hilft gleichzeitig, sich genau darauf zu konzentrieren.

Probieren Sie es aus!

P.S.: Übrigens, diese und 554 weitere spannende Kreativitätstechniken finden Sie in dem Buch „Das große Handbuch Innovation“ (www.handbuch-innovation.de), an dessen Entstehung ich beteiligt sein durfte.

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